
Der Freistaat und Europa sehen Baukultur nicht als Luxus, sondern als Zukunftsthema. Wir gehen respektvoll mit Ressourcen um. Wir geben alten Gebäuden eine neue Aufgabe. Und wir schaffen Orte, die Identität und Atmosphäre haben, auch mit Blick für künftige Generationen.
Staatsministerin Regina Kraushaar in ihrem Grußwort zur Festivaleröffnung, 25.09.2025
Das ZfBK – Zentrum für Baukultur Sachsen setzte 2025 mit dem Projekt „Schöner Wandel“ seine Beschäftigung mit nachhaltiger Baukultur fort. Das Festival in der Kulturhauptstadt Chemnitz lud alle Interessierten zu einem offenen und niedrigschwelligen Programm ein und präsentierte inspirierende Ansätze für nachhaltiges Bauen.
Nach der feierlichen Eröffnung durch die Staatsministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung, Regina Kraushaar, fanden an drei weiteren Tagen neben Vorträgen zur Ästhetik der Nachhaltigkeit in Architektur und Landschaftsarchitektur vielfältige weitere Formate statt: eine Filmvorführung, Architektur-Rundgänge für Familien und Erwachsene, eine Führung durch das Stasi-Unterlagen-Archiv sowie durch neu gestaltete Grünanlagen der Stadt, ein Baukultur-Brunch und eine Party.
Wir freuen uns über die große Resonanz: wir hatten interessierte Besucher:innen aus dem gesamten Bundesgebiet und eine sehr breite Berichterstattung in der Presse. Parallel zu unserer Veranstaltung fand auf dem Garagen-Campus das Bauwende-Camp 2025 statt. Mit den Teilnehmenden und Organisator:innen ergab sich ein wertvoller Austausch.
Tag 1 – 25.09.2025
PROGRAMM Tag 1
BEGRÜSSUNG UND ERÖFFNUNG
Juliane Naumann, Geschäftsführerin ZfBK
Regina Kraushaar, Sächsische Staatsministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung
Thomas Kütter, Baubürgermeister Stadt Chemnitz
Katja Stintz, Stephanie Pohl und Torsten Birne, Kurator:innen ZfBK
KEYNOTE „Das Neue Europäische Bauhaus“
Ruth Schagemann, Geschäftsführerin EU-Verbindungsbüro Brüssel der Bundesarchitektenkammer Deutschland (da Frau Schagemann verhindert war, übernahm Martin Luce den Beitrag)
Das EU-Programm „Neues Europäisches Bauhaus“ verbindet Nachhaltigkeit, Ästhetik und Beteiligung und unterstützt Projekte für lebenswertere Kommunen in Europa. Ruth Schagemann vertritt die Bundesarchitektenkammer in Brüssel und stellt die Idee sowie die Förderung öffentlicher und privater Initiativen vor.
VORTRAG „Leuchtturmprojekt Neues Europäisches Bauhaus: Lebenswerte Nachbarschaften für Neuperlach – München – Europa“
Martin Luce, Geschäftsführer TUM School of Engineering and Design der TU München
Im Rahmen des Leuchtturmprojekts „Creating NEBourhoods Together“ entwickelt ein Team seit 2022 in Neuperlach, München, gemeinsam mit der Bevölkerung Prototypen für einen nachhaltigen und lebenswerten Stadtteil im Sinne des Neuen Europäischen Bauhauses.Hier entstehen Lösungen, die von Energiegemeinschaften, Verschattungsarchitekturen und Animal-Aided Design, über die räumliche Erweiterung sanierungsbedürftiger Wohnbauten, bis zu 3D-gedruckten Gebäudehüllen als Lebensraum für Menschen, Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen reichen. Martin Luce stellt die wichtigsten Erfahrungen und Ergebnisse vor und zeigt den Weg hin zu einem klima- und sozial gerechten Stadtteil auf – als Vorbild für andere europäische Städte. Er ist Geschäftsführer an der TUM School of Engineering and Design der Technischen Universität München.
Tag 2 – 26.09.2025
PROGRAMM Tag 2
EXKURSION „Frei-Otto-Park Chemnitz“
Am 10. Mai 2025 wurde der Frei-Otto-Park in Chemnitz-West feierlich eröffnet. Bürgermeister Stötzer übergab ihn an die Bürger:innen, die eine Pergola, Sitzbänke, Stadtmöbel und Informationsschilder zu Frei Otto und der Parkgeschichte erhielten. Neue Sportgeräte wurden integriert, die von Menschen aller Altersklassen genutzt werden können. Bestehende Bänke und Papierkörbe wurden repariert, die Bepflanzung durch Stauden, Gräser und Geophyten ergänzt. Für die Gestaltung standen 325.000 Euro aus dem Kulturhauptstadt-Budget bereit. Die Bürgerbeteiligung erfolgte barrierefrei online und per Fragebogen, begleitet durch Medien und Social Media. Rund 3.000 Teilnehmer:innen zeigten großes Interesse, was die Bedeutung von Mitbestimmung unterstreicht. Das Grünflächenamt Chemnitz führt durch den Park und erklärt den Wandel vom vernachlässigten Park zum Bürger:innenpark.
EXKURSION „Pleißenbach – die größte Interventionsfläche in Chemnitz“
Das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes Altendorf war durch Brachflächen, Sukzession und einem ökologisch benachteiligten, stark verbauten Naturraum geprägt. Nach dem Rückzug der Bahn entstand ein neuer Stadtraum mit Freiflächen, Wohnen und Gewerbe einschließlich Hochwasserschutz. Bei umfangreichen Beteiligungsverfahren durften die Bürger:innen über die Gestaltung des Parks mitbestimmen. Die neu errichtete Talbrücke verbindet die Stadtteile Kaßberg und Altendorf. Das Grünflächenamt Chemnitz führt durch das Gelände und zeigt den Wandel vom Güterbahnhof zum Stadtteilpark.
FILM „Wildes Land – Die Rückkehr der Natur“
Der Dokumentarfilm von 2023 erzählt die Geschichte eines jungen Paares in Großbritannien, dass der Natur vertraut, um sein altes Landgut zu bewahren: Sie reißen Zäune ein, lassen das Land verwildern und setzen auf die Auswilderung von Tieren. Das große Renaturierungsprojekt wird zu einem der bedeutendsten in ganz Europa.
VORTRAG „Biodiversität, Artenschutz, Klimawandel – Heimische Wildpflanzen als Lösung“
Reinhard Witt, Naturgartenplaner, Mitgründer und Präsident Naturgarten e.V.
Die Natur nicht bezwingen, sondern mit ihr gestalten – das ist das Motto von Naturgarten e.V. Daraus entsteht ein neuer Raum voller Leben und Ästhetik. Die naturnahe Fläche dient als Rückzugsort für Artenvielfalt und Nachhaltigkeit. Klimasensible und renaturierte Orte tragen zu einer grünen Zukunft bei – ein stilles Versprechen an kommende Generationen. Reinhard Witt ist freiberuflich tätiger promovierter Biologe, Journalist und Planer naturnaher Grünräume. Er hat 21 Bücher über naturnahe Grüngestaltung und heimische Wildpflanzen verfasst. Er gehört zu den Gründern von Naturgarten e.V., der sich seit über 30 Jahren für eine nachhaltige Gestaltung von Gärten und Grünflächen einsetzt, um die biologische Vielfalt zu fördern, und ist dessen langjähriger Präsident. Als Landschaftsplaner schafft er in Gärten, öffentlichen Grünflächen und auf Firmengeländen Oasen der Vielfalt.
VORTRAG „Urban Mining – Die Schönheit der Vergangenheit“
Prof. Dr. Anja Rosen, Professorin für Circular Construction, FH Münster
Urban Mining bedeutet die Wiederverwendung von Baustoffen, d.h. es bezeichnet ein Konzept der Kreislaufwirtschaft für den Bausektor. Anja Rosen stellt in ihrem Vortrag innovative Urban-Mining-Projekte vor und spricht neben der objektiven Messbarkeit des zirkulären Materialeinsatzes über das besondere Potential von Re-Use Materialien und die Spuren der Vergangenheit, welche ein einzigartiges Bild zeichnen.
Tag 3 – 27.09.2025
PROGRAMM Tag 3
EXKURSION „Stadtwanderung für Familien: Baukultur kindgerecht“
Welches Gebäude ist der Chef? Welche mögen sich – und welche mögen sich vielleicht nicht? Woran erkennt man eigentlich, welche Funktionen ein Gebäude hat, und von wo es gesehen werden will? Mithilfe des SpielRaumStadt-Konzepts der Architekturhistorikerin Turit Fröbe ist es ganz einfach, an jedem beliebigen Ort gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen ins Sprechen, Spekulieren, Philosophieren und Nachdenken über Architektur und Städtebau zu kommen. Die begleitenden Eltern erleben, dass es Spaß macht, genauer hinzusehen, und dass es keinerlei Vorbereitung oder Vorwissen braucht – sie werden ganz nebenbei dazu angeleitet, ähnliche Gespräche später mit ihren Kindern an anderen Orten weiterzuführen.
EXKURSION „Architektur bestimmen – Stadtrundgang durch die Innenstadt“
Manche Gebäude – insbesondere historische – machen es uns einfach: sie sind datiert und tragen ihr Erbauungsjahr stolz auf der Fassade. Bei den meisten Gebäuden – insbesondere modernen – wurde das jedoch vergessen. Dass es trotzdem gar nicht so schwierig ist, moderne Architektur zu bestimmen, zeigt Turit Fröbe im Rahmen einer Stadtführung. Man muss nur wissen, wo man hinsehen muss, und was für die Phasen oder Stile der Moderne charakteristisch ist. Um Hilfestellungen zu geben, hat sie ein Bestimmungsbuch für moderne Architektur Alles nur Fassade? entwickelt, das wie eine kleine Sehschule funktioniert. Den ersten Anhaltspunkt für die Einordnung liefern die Fenster und ihre jeweiligen Materialien, Formate oder Setzungen… Im Rahmen der Stadtführung zeigt sie, wie das Konzept funktioniert und betrachtet, datiert und bestimmt gemeinsam mit den Teilnehmenden, was ihnen im Rahmen der Stadtwanderung vor die Nase kommt.
PECHA KUCHA „Mein Schöner Wandel“
Eine Veranstaltung des BDA Sachsen moderiert von Alexander Pötzsch, Vorsitzender BDA Bund
Unter dem Titel „Mein Schöner Wandel“ präsentieren Architekt:innen, Stadtplaner:innen und Landschaftsarchitekt:innen im PECHA-KUCHA-Format Schlaglichter zu Fragen der Ästhetik und Gestaltung klimagerechter Baukultur. In kurzen, prägnanten Beiträgen über 6 Minuten teilen sie ihre Gedanken, Visionen und konkreten Ideen, wie Architektur und Planung aktiv zum Wandel beitragen können. Die Veranstaltung lädt zum Perspektivenwechsel ein und macht kreative Ansätze sicht- und erlebbar.
Mit: Frank Großkopf, Querfeldeins I Landschaft I Städtebau I Architektur, Dresden | Markus Wiese, OCTAGON Architekturkollektiv, Leipzig | Lydia Heine, Heine Mildner Architekten, Dresden | Nadja Chawaf, Schöner + Panzer Architekten, Leipzig | Gunnar Volkmann, W&V Architekten, Leipzig | Tom Schoper, schoper.schoper, Dresden | Uwe Stintz, Meyer-Bassin und Partner Architekten, Dresden | Aline Hielscher, Aline Hielscher Architektur, Leipzig
VORTRAG „Die postdigitale Renaissance der Stadt.“
Niklas Maak, Publizist
Der promovierte Kunsthistoriker Niklas Maak ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und lehrte unter Anderem in Harvard. Zuletzt erschien sein Roman „Technophoria“. Maak schreibt über Kunst, zu heiße Städte, Design und auch über Tech-Milliardäre. Sein Vortrag im Rahmen des Festivals behandelt die Frage: Wie könnten die Städte und das Leben in der digitalen Zukunft aussehen?
PARTY
Nach einem abwechslungsreichen Tag mit Vorträgen und Impulsen rund um Baukultur und Nachhaltigkeit luden wir zum Ausklang zur Party ein. Geboten werden Musik, anregende Gespräche und kühle Drinks. Eine Gelegenheit, den Tag in entspannter Atmosphäre ausklingen zu lassen.
Tag 4 – 28.09.2025
PROGRAMM Tag 4
BAUKULTUR-BRUNCH
Am Sonntagvormitttag sind alle Baukultur-Interessierten herzlich eingeladen, bei Frühstück, Kaffee und Tee über nachhaltiges Gestalten zu philosophieren, Projekte zu planen und die Baukultur zu feiern.
FÜHRUNG „Stasi-Unterlagen-Archiv“
Das ehemalige ROBOTRON-Gebäude aus den 70er-Jahren wurde 2022 zum Stasi-Unterlagen-Archiv umgebaut und beherbergt nun ca. 7,5 km Akten. Die Führung mit Heine Mildner Architekten zeigt, wie hier Bestand ertüchtigt, Tragstruktur erhalten und Nachhaltigkeit gewahrt wurde.
PODIUMSDISKUSSION „Schöner Wandel – Industriebauten als kreative Maschine“
Umnutzungen von Industriebauten erzählen Geschichten von Mut, Krisen, Engagement und Neuerfindung. Auf dem Podium diskutieren Vertreter:innen aus Chemnitz, Plauen und Flöha über Potentiale, Herausforderungen und Lösungen für gelingende Transformationen.
Auf dem Podium: Jürgen Kabus, Leiter Industriemuseum Chemnitz | Grit Stillger, Stadtplanungs- und Liegenschaftsamt Chemnitz, Projektleiterin Stadtwirtschaft Chemnitz | Ronny Neumann, Architekt, Neumann Architekten, Plauen | Tina Winkel, Garagen-Campus | Moderation: Katrin Hoffmann, Geschäftsführerin Industrieverein Sachsen 1828 e.V. / Vorstandsmitglied Industriekultur Sachsen e.V.
Gefördert durch:
Das Programm wurde gefördert durch Mittel des Sächsisches Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung und mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Weitere Förderung:
Ostsächsische Sparkasse Dresden
sowie die Teilnehmenden unserer Crowdfunding-Kampagne.


