Architektur im Film „Das jüngste Gewitter“ von Roy Andersson

13.12.2017 20:00 Uhr Film

Ein Psychologe erträgt es nicht mehr länger, seine depressiven Patienten zu behandeln – er verschreibt fortan nur noch Pillen; eine einsame junge Frau erträumt sich vergeblich ihre Hochzeit mit dem verehrten, aber unerreichbaren Rockmusiker; ein Handwerker im Blaumann versucht sich bei einer sehr bürgerlichen Familie ebenso unaufgefordert wie erfolglos an einem Varietétrick, und wird dafür letztlich zum Tode verurteilt…

Roy Andersson verhandelt in seinen Miniaturen auf einzigartige Weise Tragik und Sinnlosigkeit des menschlichen Daseins – trotz aller nachvollziehbarer Bitterkeit mit einer Spur (tiefschwarzem) Humor und einem leisen Funken Hoffnung. Die Welt dieses Films trägt noch Spuren der klassischen Industriegesellschaft, ist sozusagen fordistisch und prädigital. Es ist die verwaltete Welt der Fließbänder und Industriehallen, der Bürokratie und der Gewerkschaftsheime, und ihre Farbe ist das Grau der kafkaesken Gänge von Behörden; aus ihr verbannt ist das falsche Bunt der neuen sogenannten Servicecenter, die sich den zum lästigen Kunden mutierten Leistungsempfängern mal Magenta, mal Aquamarin, aber immer plastikhaft asozial präsentieren. Ohne äußerliche Regung, dabei nicht unbedingt schlecht gelaunt schlurfen und stehen, schweigen und starren die Menschen in die Welt. Sie erinnern mitunter an Jacques Tati, vielleicht etwas weniger absurd, weniger schmunzelnd, dafür aber wirklich verzweifelt.

„Ein Film über den Traum von der Henkersmahlzeit am Vorabend der Apokalypse, mit Blasmusik und vermasseltem Schmorbraten“ (Peer Schmitt, Junge Welt) – wir wünschen besinnliche Feiertage.

Mit einer kurzen Einführung durch Sven Voigt von der Filmgalerie Phase IV

Wann: Mittwoch, den 13. Dezember um 20.00 Uhr

Ort: Schloßstraße 2, 01067 Dresden, Besuchereingang über Galeriestraße oder das Foyer im Kulturpalast

Eintritt frei